Ursachen der Milchkrise

In der Gemeinschaft der EU-28 erhöhte sich die Erzeugung seit dem Ende der Milchquotenregelung um 3,8 % oder knapp 6,1 Mio. t Milch. Das ist so viel wie die gesamte Jahresanlieferung aus Niedersachsen. Die Milch-Mehrlieferung in den EU-Haupterzeugerländern sieht wie folgt aus:

Land

Anlieferung 2015/16

Steigerung gegenüber dem Vorjahr

Deutschland

32 Mio. t

3,8 %

Frankreich

25 Mio. t

1,0 %

Niederlande

14 Mio. t

11,6 %

Irland

7 Mio. t

18,1 %

EU gesamt

160 Mio. t

3,8 %

 

An den 6,1 Mio. t Milch-Mehrerzeugung haben die Landwirte der einzelnen Länder wie folgt Anteil:

 

Land

Anteil an der Mehrproduktion

Niederlande

25 %

Irland

18 %

Deutschland

10 %

Polen

8 %

Großbritannien

7 %

 

Die Milchmengensteigerung im März 2016 gegenüber dem Vormonat betrug:

 

Land

Mehrproduktion im März gegenüber Februar 2016

Niederlande

17 %

Irland

28 %

Deutschland

3 %

 

Zusätzlich wirkt sich der Milch-Einfuhrstopp von Russland gegenüber der EU aus, infolge der europäischen Ukrainepolitik.

Man könnte zu dem Eindruck gelangen, die Milchkrise ist eigentlich nur Ausdruck eines sehr aggressiven Verdrängungswettbewerbes in der europäischen Landwirtschaft.

Welche Schlussfolgerungen sind für unsere Mandanten zu ziehen:

  • Eine Milchmengensteigerung unterhalb der Grenzkostenschwelle (Mehrfutter + Mehrpersonalkosten) stabilisiert den eigenen Betrieb. {Eine freiwillige Milchmengenreduzierung funktioniert heute nicht in Europa.}
  • Zusätzlichen Kosten (z. B. aufgrund von Investitionen) sollte aus dem Wege gegangen werden.
  • Verschlissene Milchviehanlagen sollten dann stillgelegt werden, wenn außergewöhnliche Instandhaltungskosten zu erwarten sind.
  • Bei Betrieben mit hohen Kapitaldienstbelastungen infolge von bisherigen Investitionen in die Milchproduktion muss mit den Banken über eine Kapitaldienstentlastung gesprochen werden (z. B. Tilgungsaussetzung, Zinsminderung, Eigenkapitalbeteiligung).

Info:

  • Die EU erzeugt ca. ¼ der Weltmilch.
  • Die EU hat einen Milch-Eigenversorgungsgrad von 114%.